Freitag, den 01.03.2019: Aufstieg zur Amberger Hütte
Nachdem am Vortag schon die Hardware (Ski, Stöcke, Eispickel) zusammengepackt wurde, treffen wir uns in Limbach, um die erste Tour der Jungmannschaft durchzuführen. Das auserkorene Ziel ist die Amberger Hütte im Stubai. Pünktlich wie die Deutsche Bahn fahren wir mit dem blauen Pagani(blauer Opel Meriva) los. Obwohl das Auto klein ist, hat alles reingepasst und wir haben noch genug Platz zum Sitzen. Unser Navi sagt uns: Ankunftszeit 18:45; Wegstrecke 407 km. Sofort ist uns klar, heute müssen wir mit Stirnlampe aufsteigen. Leider kommt es auf der Autobahn immer wieder zu stockendem Verkehr und so wird es noch Später. Doch wir haben auch Glück. Nämlich können wir eine Unfallstelle auf einem Feldweg umfahren, was uns vor langem Warten bewahrt. Dennoch gibt es noch einen Zwischenfall. Die Navigation hat versagt!!! Da das fasche Gries ausgewählt wurde, müssen wir einen kleinen Umweg fahren. So kommen wir erst nach ca. 6 Stunden Fahrt um 20.00 am Parkplatz an. Dort werden die Rucksäcke gesattelt und um 20:30 in Richtung Amberger Hütte losmarschiert. Der Weg ist entspannt zu gehen, weshalb wir die Hütte um 22:15 erreichen. Dort wird noch kurz gevespert, die morgige Tour besprochen und dann das Lager bezogen.
Am nächsten Morgen lassen wir es aufgrund der späten Ankunft am Vorabend noch etwas ruhiger angehen und der Wecker klingelt erst um 7 Uhr. Zum Frühstück essen wir unsere mitgebrachten Vorräte, füllen die Thermoskannen mit Marschtee auf und nachdem wir unsere Rucksäcke gepackt haben, brechen wir ungefähr um 8:30 Uhr auf. Unser heutiges Ziel ist die „Kuhscheibe“ (3189m, ca. 1050 Hm). Wir folgen dem Tal, die sogenannte „Sulze“, Richtung Süden. Schnell sehen wir jedoch, dass wir nicht die einzigen sind, die sich diese Tour für heute ausgesucht haben. Wie eine Ameisenstraße führt eine Schlange von mehr als 20 Skitourengehern auf dem „Normalweg“ über den Roßkarferner hinauf. Nach kurzer Besprechung einigen wir uns deshalb darauf, den etwas längeren und anspruchsvolleren Weg über den Kuhscheibenferner zu versuchen. Bei Sonnenschein und ein paar wenigen Wolken kommen wir gut voran und können zu Beginn noch einer Aufstiegsspur folgen. Diese zweigt allerdings anschließend Richtung „Zahme Leck“ ab, weshalb wir selbst spuren müssen. Spätestens an diesem Punkt merken wir, dass es definitiv die richtige Entscheidung war diesen Weg zu wählen. Die Bedingungen sind perfekt und wir steigen ganz allein in unberührter Schneelandschaft dem Gipfel entgegen. Die Vorfreude auf die Abfahrt ist jedem bereits anzusehen. Nach einer kurzen Pause wird es, wie im Führer beschrieben, zum Gipfelgrat hinauf nochmal etwas steiler. Wir fixieren die Skier am Rucksack, ziehen die Steigeisen an und klettern mit dem Eispickel die Schneerinne bis zum Grat empor. Auch eine kleine felsige Mixed- Kletterei-Passage stellt kein größeres Problem dar und gegen 13 Uhr erreichen wir den Gipfel. Inzwischen hat sich das Wetter leider etwas verschlechtert und es ziehen immer wieder Nebelschwaden vorbei. Daher vertrödeln wir nicht viel
Heute klingelt der Wecker bereits um 5:30 Uhr, da mit dem Schrankogel eines der begehrtesten Ziele rund um die Amberger Hütte auf dem Tagesprogramm steht und wir die ersten am Berg sein wollen. Da die Gaststube noch geschlossen ist frühstücken wir gemütlich im Trockenraum und brechen um kurz vor 7 Uhr in Richtung Sulze auf. Nach dem Talhatscher biegen wir nach links ab und steigen im idealen Skigelände zum Schwarzenbergferner auf. Das Wetter ist hervorragend und wir laufen bei strahlendem Sonnenschein in einem großen Bogen um eine Spaltenzone und die Ostseite des Schrankogels herum. Da es über Nacht 10cm geschneit hat ist das weitläufige Gletscherbecken noch komplett unverspurt und wir sind die ersten die ihre Aufstiegsspur durch den Pulverschnee ziehen. Auch der Normalweg auf den Schrankogel über den Ostgrat ist noch komplett unberührt, doch wir lassen ihn links liegen, da wir uns für die Nordflanke als Aufstiegsroute entschieden haben. Mit ziemlich steilen Spitzkehren kommen wir bis zu einer Rinne ca. 150Hm unter dem Gipfel. Hier tauschen wir um 11:00 Uhr die Ski gegen Steigeisen und holen die Pickel aus dem Rucksack. Von der ursprünglichen Eisflanke ist durch die Globale Erwärmung leider nicht mehr viel übrig und so überwindet man durch die 45°-50° steile Schneerinne einen Felsriegel bevor man auf einem Schneefeld bis direkt unters Gipfelkreuz quert. Während in der Rinne noch guter Trittschnee gelegen ist artet die Querung im kraft- und zeitintensiven Pulverscheegewühle aus. Doch das kann unseren Auftrieb nicht bremsen und so erreichen wir um 12:40 Uhr als erste an diesem Tag den 3497m hohen Gipfel des Schrankogels. Von hier aus genießen wir erstmal das grandiose Panorama auf die Ruderhofspitze, den Sellrain, das Ötztal, die Wildspitze und tausende andere große und kleine schneebedeckte Gipfel bevor wir eine wohlverdiente Brotzeit machen. Währendessen erreichen auch die ersten Leute über den Ostgrat das Gipfelkreuz und so beschließen wir naqch ausgiebiger Rast um 13:30 Uhr über den nun eingespurten Grat abzusteigen und somit den Schrankogel zu “überschreiten“. Ein paar Kraxel-Stellen fordern nochmal kurz unsere Aufmerksamkeit und dann können wir auch schon wieder unsere Ski anschnallen. In wenigen Schwüngen fahren wir auf den Ferner ab und folgen von hier aus der Aufstiegsroute zurück zur Hütte wo wir letztendlich um 16.15 Uhr ankommen. Den restlichen Nachmittag holen wir noch ein bisschen Schlaf vom Morgen nach und planen die Tour für den nächsten. Nach dem Bergsteigeressen lassen wir den Tag bei einer Runde Schafkopf ausklingen.
Am letzten Tourentag starten wir um 8:15 Uhr. Das Wetter ist besser als erwartet, weshalb unserem Plan, auf den „Hinteren Daunkopf“ (3225m, ca. 1100hm) zu gehen, nichts im Wege steht. Wir folgen zunächst der uns bereits von der Kuhscheibe bekannten Spur in Richtung Sulztalferner. Statt in Richtung Kuhscheibenferner wenden wir uns dieses Mal in die entgegengesetzte Richtung ins Bockkar. Laut Führer soll dies windstill sein, was wir an diesem Tag jedoch nicht bestätigen können, da der starke Fön auch hier bläst. Dafür scheint jedoch die Sonne und es bietet sich uns bereits im Aufstieg eine sehr gute Aussicht auf die Wilde Leck (3361m) mit ihrem berühmten Ostgrat. Wir folgen dem Bockkar in einer Rechtskurve in Richtung Gipfel. Da der Gipfelhang windverblassen und eisig ist legen wir unsere Harscheisen an und erreichen wohlbehalten um 12:00 Uhr den Gipfel. Nachdem wir die Aussicht genossen haben, fahren wir über die Aufstiegsroute ab und legen in der Sonne ein erstes Mittagessen ein. Mit möglichst viel Schwung fahren wir in die Sulze, um uns das Anschieben zu ersparen, was jedoch nicht klappt. So erreichen wir um 13:45 Uhr die Amberger Hütte in unserem Zeitplan, da es nur bis 15.00 Uhr Kaiserschmarrn gibt. Während wir unseren Kaiserschmarrn genießen fängt es das schneien an. Bis zum Abend hat es schon fast 10 cm geschneit, weshalb wir uns schon auf die Abfahrt freuen und überlegen nicht doch noch eine kleine Tour am nächsten Morgen zu unternehmen. Nach einem sehr leckeren Abendessen spielen wir noch Schafkopf, was durch die österreichischen Karten noch witziger wird, und blicken auf die letzten Tage zurück.
Dienstag, den 05.03.2019: Spaltenberungs Übung und Heimreise
Heute steht die Heimreise an, weshalb wir entspannt ausschlafen (7:15) und uns unser eigenes Remouladenbrot mit Käse und Wurst zum Frühstück noch einmal so richtig genießen. Danach werden die Rucksäcke gepackt, aber nicht komplett, da wir die Klettergute gleich anziehen. Gegen 9:00 ziehen wir unsere Skischuhe an und stellen unsere Touren- Ski in den Abfahrtsmodus. Dann fahren wir die Forststraße, auf der wir am Freitag in der Nacht hochgelaufen sind, dem Auto entgegen immer auf der Suche einen geeigneten Platz für eine Gletscherspaltenbergungs-Übung. Nachdem der beste Platz deklariert wurde, beginnen wir mit dem Ausprobieren, zuerst der Schweizer Flaschenzug, dann eine einfachere Variante. Zum Schluss versuchen Fabi und Christoph die in die „Spalte“ (kleine Böschung) gestürzten (Benedikt und Leo) zu bergen. Dabei ziehen die Gestürzten so stark, dass sich der T-Anker löst. Somit wird die Übungsphase beendet und die letzten Meter zum Auto abgefahren. Unten angekommen verstauen wir unsere fünf Sachen wieder im blauen Pagani. Doch bevor es wieder der Heimat entgegengeht, wird noch einmal die Aussicht während einer Brotzeit genossen. Manch einer nutzt die Pause auch noch für ein paar selbst erfundene Langlauf- Trockenübungen neben der Loipe. Dann kehren wir endgültig den Bergen den Rücken zu und machen uns auf die Heimreise. Diese verläuft eigentlich reibungslos. Mit Faschings-Hits von Radio Tirol geht es Richtung Norden. Doch in Garmisch passiert das, was Leo unter: „Autofahren mit Emotionen!!!“ versteht. Kurz vor der Ampel scheint es so als ob uns der Pagani im Stich lassen würde, da der Motor nicht mehr anspringen will. Doch nach dem Fabi alle Stecker zieht hat die Zündung wieder genug Saft, um zu funktionieren. Gegen 17:15 treffen wir wieder gesund und munter in Schwabach ein.
LG Benedikt; Fabi; Leo; Christoph von der Jungmannschaft
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