Der frühe Vogel fängt den Wurm – so sagt man zumindest, allerdings wäre im Falle der jüngsten Bergtour der Ortsgruppe Schwanstetten „Vogel“ durch „Wanderer“ und „Wurm“ durch „Gipfel“ zu ersetzen. Wie auch immer, jedenfalls brachen „die Wanderer“, namentlich Conni, Silvia, Mario, Jens und ich am Freitag, den 11. August zu einer Tour ins Stubai auf. Frühzeitig gegen 6 Uhr (womit der ganze Sinn des einleitenden Sprichworts erfasst wäre) starteten wir auf zwei Autos verteilt in den nicht zu dichten Verkehr Richtung Brenner und erreichten halbwegs stau- und störungsfrei gegen 11 Uhr das erste Etappenziel: den Wanderparkplatz der Sulzenauhütte in Neustift, oder besser gesagt das, was wir dafür hielten, denn er stellte sich weder als der richtige noch als kostenfrei heraus. Nichtsdestotrotz – das Auto war abgestellt, ein Ticket (oder waren es drei?) schnell gebucht und dem eigentlichen Beginn unserer Tour stand nichts mehr im Weg.
Bei bestem Wetter passierten wir zunächst den eindrucksvollen und touristisch gut erschlossenen Grawa-Wasserfall, dessen erfrischende Kühle wir jedoch bald wieder hinter uns ließen, um uns dem stetig aufwärts führenden und durchaus schweißtreibenden Steig hinauf Richtung Sulzenaualm zu widmen. Gelegen auf einer Anhöhe, erreichten wir letztere dann gegen Mittag und auch das eigentliche Tagesziel, die Sulzenauhütte, lag jetzt in Sichtweite. Es folgte nur noch ein kleiner Anstieg, mit dem oberen Teil des bereits bekannten Wasserfalls zur Linken, und die Hütte war erreicht. Das Wetter meinte es mit der Wärme fast ein bisschen zu gut, sodass erst einmal Shirts gewechselt und Flaschen nachgefüllt werden mussten. Dennoch wollten wir das schöne Wetter und die verbleibende Zeit auskosten und unternahmen von der Hütte aus mit deutlich leichterem Gepäck noch eine kleine Erkundungstour hinauf zum Niederl, das auf dem Stubaier Höhenweg zwischen Sulzenauhütte und Nürnberger Hütte liegt. Bis hinauf schafften wir es dann aber doch nicht mehr, zu verlockend erschien uns ein kleiner Bergsee, den wir ein Stück unterhalb entdeckt und rasch als neues Ziel auserkoren hatten. Mit kühl erfrischten Füßen ging es dann also zurück auf die Hütte, gerade passend zum sehr leckeren Abendessen, dem nur noch eine kurze Besprechung der morgigen Route folgte, bevor wir den Abend gemütlich ausklingen ließen.
Frisch ausgeruht und wiederum bei bestem Wetter begann unser erster Morgen auf der Hütte mit einem wiederum ausgezeichneten Frühstück, bevor wir uns zum eigentlichen Ziel der gesamten Tour aufmachten: dem Aperen Freiger, einem Dreitausender, den man, wie der Name schon erahnen lässt, ohne Gletscherkontakt begehen kann. Unser Weg führt uns, zunächst moderat ansteigend, von der Hütte hinaus in das ehemals vollständig vergletscherte Gebiet des Sulzenauferners; heute ist davon wenig übrig, einzig die abgeschliffenen Felsblöcke und Gletscherseen erinnern daran. Nachdem wir den schönsten davon, die „Blaue Lacke“ links liegen gelassen hatten, ging es sodann weiter den Lübecker Weg, jetzt zunehmend steiler werdend, hinauf bis zum Aussichtspunkt Hundsheim. Bis hierhin war die Tour zwar anstrengend, aber nie schwierig gewesen und bis auf wenige Stellen auch kaum ausgesetzt. Ab hier allerdings änderte sich das deutlich: Zunächst über verblocktes, aber gangbares Gelände führend, beinhaltete der Schlussanstieg auch immer wieder Passagen, die äußerst luftig waren oder den mindestens unterstützenden Einsatz der Hände verlangten. Mit Blick auf Gletscher- und Gipfelpanorama war es zugleich aber auch der schönste Teil der Tour. Am Gipfel des Aperen Freiger auf 3262m angelangt, konnten wir das Panorama dann auch richtig genießen und bei schönstem Sonnenschein Brotzeit machen, bevor es an den Rückweg ging.
Der Abstiegsweg war bis zum Aussichtspunkt zunächst identisch mit dem Aufstieg und verlangte daher nochmals absolute Konzentration – teils sogar mehr als zuvor, denn je nach persönlichen Vorlieben, kann derselbe Weg im Abstieg ungleich schwerer fallen als im Aufstieg – bis wir wieder den Aussichtspunkt erreichten. Von hier ab folgten wir dem AV-Steig 136 hinab auf die andere Seite, nah an den Sulzenauferner heran, um nach einem kleinen Gegenanstieg in einem Schlenker wieder den Abstieg zum bereits bekannten Lübecker Weg zu erreichen. Dieses Mal machten wir dann Halt an der Blauen Lacke und manch einer nutzte das kristallklare und eiskalte Wasser für ein erfrischendes Bad. Danach machten wir uns die letzten Meter auf zur Hütte und genossen einen weiteren Abend bei gutem Essen und noch besserer Stimmung in Erinnerung an die heutige Gipfeltour.
Für unseren letzten Tag hatten wir uns, eingedenk der langen Heimreise, nicht mehr viel vorgenommen. Nach einem gemütlichen Frühstück stiegen wir von der Hütte Richtung Tal ab, wobei wir aufgrund des nächtlichen Regenfalls eine etwas besser passende, weniger rutschige Variante wählten. Auch hier begegneten wir unserem Wasserfall wieder zweimal: zunächst einmal oben an der Alm, naturbelassen mit spielenden Gamskitzen und dann ein weiteres Mal sozusagen als Kontrast am Ende unserer Tour im erschlossenen Tal. Am Parkplatz angelangt, bestiegen wir unsere Autos und traten die Heimreise an, deren staubedingt ermüdende Details schwerlich ein gelungenes Ende dieses Berichts sein können. Vielmehr lag hinter uns eine sehr abwechslungs- und aussichtsreiche Tour zwischen Fels, Wasser und Eis auf den Gipfel des Aperen Freiger, die uns, nicht zuletzt dank der hervorragenden Organisation großen Spaß gemacht hat!
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