Skifahren Silvester 2025 | © Benedikt Rauh

Skifahren Silvester 2025

Wintersportwoche bei mangelhafter Schneelage.

04.01.2026

Samstag, 27.12.2025: Anreise

„Am Freitag aufd Nacht montier I di Schi…auf mei Auto und dann begib I mi…“

Alle Jahre wieder macht sich die Schwabacher Juma in der Zeit um Silvester auf den Weg zum „Schifoan“. Wobei das reine „Schifoan“ (Deutsch: Skifahren) eigentlich nur die Anfänge der jährlichen Silvesterfahrt ausreichend genau beschreibt. Denn was 2017 ursprünglich als reine Pisten/Resort Skiwoche im Zillertal konzipiert war, hat sich über die Zeit und mit einer Mischung aus gesteigerter alpinistischer Erfahrung, schneearmen Wintern und Kreativität zu einer abwechslungsreichen „Wintersportwoche“ weiterentwickelt. Das bedeutet, dass mittlerweile neben Pisteln auch Skitouren, Eisklettern, Bergläufe/Trailrunning und ein Ruhetag mit Sauna auf dem Programm stehen. Über die einschließlich dieses Jahres 8 Auflagen - 2020/21 fiel die Fahrt wegen der Corona Pandemie aus -gleich geblieben ist die Unterkunft in einer Selbstversorgerhütte. Doch bevor wir mit unseren Aktivitäten beginnen können, steht die Anreise nach Kärnten auf dem Programm:

Abfahrt ist in Vergleich zu vorherigen Jahren gemütlich um 10:00 in Schwabach Limbach – ein Fehler wie sich herausstellt! Aufgrund von viel Verkehr splittet sich die Gruppe auf: Ein Bus versucht ihr Glück über Passau, während der andere Teil die völlig überlastete A9 auf der B2 umfährt, um in München noch Steffi einzusammeln. Letztere Gruppe plagt schnell der Hunger und so wird beschlossen die nächste Metzgerei für ein paar LKW (LeberKäsWeggla) anzusteuern. Nach einer Großmetzgerei ohne Ladenverkauf und einer geschlossenen Filiale sind wir im dritten Anlauf erfolgreich und der Navigator hat Glück, dass er die restlichen 400km nicht zu Fuß zurücklegen muss. Mit gefüllten Mägen kämpfen wir uns endlos durch den Stau und erreichen um 18:00 nach 8h Fahrt unsere Unterkunft in Flattach.

Sonntag, 28.12.2025: Pistenskitour Schareck, 2604m

Aufgrund der nicht vorhandenen Schneelage entschließen wir uns dazu am ersten Tag eine Skitour, welche zuerst im Skigebiet Heiligenblut startet, verläuft zu unternehmen und falls es die Verhältnisse zuzulassen über die gesperrte Großglockner Hochalpenstraße weiter Richtung Brennkogel zu laufen. Start ist um 9:20 an der Mittelstation und wir merken schnell, dass abseits der Piste wegen Schneemangel wirklich nichts geht. Am Pistenrand kommen wir gut voran, doch je höher wir kommen, desto stärker wird der Wind. Ab 2300m sind wir im Höhensturm und kommen uns durch die aufgewirbelten Kunstschnee Eiskristalle vor wie in der Sandstrahlkammer. Vicki wird mehrmals umgeweht und so beschließen wir, als wir an der Bergstation am Gipfel des Scharecks, 2604m, angekommen sind den Rückzug anzutreten. Interessant dabei ist, dass unsere Uhren komplett verrücktspielen und mehrere hundert Höhenmeter mehr anzeigen als wir eigentlich gemacht haben. Nach kurzweiligen 800 Hm Abfahrt bei strahlendem Sonnenschein und Rückenwind sind wir um kurz nach 14:00 Uhr wieder zurück an den Autos. Bene, Filip und Niklas erkunden noch die Eisklettermöglichkeiten rund um Heiligenblut, während der Rest der Gruppe direkt zurück zur Hütte fährt. Entspannt lassen wir den Abend ausklingen, da wir für morgen beschlossen haben entspannt zum Sportklettern zu gehen und deshalb ausschlafen können.

Montag, 29.12.2025: Kleine Leier Südwestgrat /Sportklettern Jungfernsprung

Das mit dem Ausschlafen trifft doch nicht für alle Kameraden zu. Bereits um 5 Uhr haben Niklas und Eric Tagwache, da sie sich gegen das Sportklettern und für eine Alpintour mit dementsprechend langen Zustieg aus dem Tal entschieden haben. Den Südwestgrat der kleinen Leier.

Nach einem längeren gestrigen Abend kriecht der Rest um 8 Uhr aus den Federn. In einer knappen Stunde geht es Millstätter See, wo wir am sogenannten „Jungfernsprung“ klettern wollen. Doch am Ziel angekommen liegt noch ein dichter Nebelschleier über dem See, weshalb wir beschließen, zuerst einen kurzen Spaziergang/Wanderung zu machen und zu warten, ob es aufreißt. 230Hm, 1:10h, 3km und zahlreichen Schneeballschlachten später setzt sich die Sonne endlich gegenüber dem Nebel durch. Nach kurzer Brotzeit steigen wir zum Seeufer ab und kraxeln über schmale Planken zu ein paar schwimmenden Plattformen, welche am Fuß einer ca. 25m hohen Felswand befestigt sind. Die Kletterrouten starten direkt von den Plattformen aus. Von 13:00 Uhr bis zum Sonnenuntergang um 16:30 klettern wir abwechslungsreiche Routen zwischen IV und VII in der warmen Nachmittagssonne in einer traumhaften Kulisse. Zufrieden mit unserem gewählten Alternativprogramm zum Skifahren machen wir uns auf den Weg zurück zur Hütte.

Dort treffen wir am Abend unsere zwei Abenteurer Zündla und Eric wieder: Zwar konnten sie mit dem Auto relativ weit hochfahren, dennoch erschwerte und verlangsamte im Zustieg lose zugeschneites Blockgelände mit vielen „Einbrechern“ das Vorankommen. So verzichteten die beiden aus Zeitgründen auf die Kletterei und bestiegen die kleine Leier über den Ostgrat. Trotzdem eine höchst respektable Leistung!

Dienstag, 30.12.2025: Eiskletterpark Osttirol

Das Motto des heutigen Tages lautet: „Wer stürzt fährt heim“! Wie in den letzten Jahren auch schon leiten wir die Eisklettersaison mit einem Besuch des Eisparks Osttirol ein. Nach dem Zustieg üben wir am Anfang noch Fuß- und Schlagtechnik, bevor es ans Klettern geht. Trotz eines riesigen Andrangs – teilweise mehr als 100 Leute drängen sich vergleichbar wie in Münchner Kletterhallen im Eiskletterbereich – können wir verschiedenste Routen zwischen WI2 und WI5 sowie eine Drytooling Route am Schluss klettern. Insgesamt ein gelungener und unfallfreier Klettertag, welcher einen großartigen Kontrast zum vorherigen Sportklettertag darstellt.

Mittwoch, 31.12.2025: Eisklettern Fleißtal/Skifahren Katschberg

Nachdem bereits am Sonntag die Eiskletter Bedingungen im Fleißtal ausgecheckt wurden, wollen wir heute unsere Pläne in die Praxis umsetzen. Da nicht alle für einen erneuten Tag im Schatten motiviert sind, begeben sich Gigi, Simon, Fabi, Steffi und Lina zum Alpinskifahren an den Katschberg. Leider sind die Pisten am „Katschi“ aufgrund des Naturschneemangels eisig und ab dem frühen Nachmittag macht das Fahren nicht mehr viel Spaß. Zudem muss an den offenen Liften immer wieder mit Wartezeiten gerechnet werden.

Einsam geht es dagegen im Fleißtal zu. Vorbei an zahlreichen toll ausgebildeten Eisfällen laufen wir 300hm und ca. 3km Taleinwärts bis wir zu einer verlassenen Goldgräbersiedlung kommen. Hier richten wir am linken Wasserfall an Abalakovs zwei Toprope Stände ein mit denen sich verschiedene Eislinien zwischen WI3 und WI4 ausprobieren lassen. Ein Highlight ist auch, dass man in eine Art Eishöhle hinter den Eisvorhang gehen kann. Nach 3h Kletterei bauen wir ab und machen uns an den Heimweg.

Abends wird ausgelassen ins neue Jahr gefeiert.

Donnerstag, 01.01.2026

Das neue Jahr beginnt nach ausgiebigem Ausschlafen mit einem kurzen Berglauf bei strahlendem Sonnenschein. Wir joggen direkt hinter der Hütte 300 Hm den Berg hoch, wobei bei so manchen aufgrund von erhöhtem Restalkohol und zu langsamen Tempo die VO2max gehörig nach unten rauscht. Wo gehobelt wird fallen die Späne!

Zur Entspannung geht es zum Saunieren nach Lienz in die Therme wo wir um 14:00 Uhr pünktlich zum ersten Aufguss des Tages ankommen. Nach 4 Aufgüssen, Schneewälzern, und Dampfbädern geht es um 18:30 weiter in die nächste Pizzeria. Dort fallen wir wie die Heuschrecken über die leckere italienische Pizza her. Auch vom nichts tun bekommt man Hunger! Abends werden am Stammtisch die alpinistischen Ziele fürs neue Jahr ausdiskutiert, welche von „ganz viele Sportarten ausprobieren“ über Sportklettereien in der fränkischen bis zu den Westalpen reichen.

 

Freitag, 02.01.2026: Skifahren Mölltaler Gletscher

Zum Abschluss der Woche geht es noch einmal gemeinsam als komplette Gruppe zum Skifahren am Mölltaler Gletscher. Bei traumhaftem Wetter und besseren Pistenverhältnissen, als vermutet cruisen wir den ganzen Tag lang und haben am Ende bis zu 11.300 Tiefenmeter und mehr als 60 Pistenkilometer auf dem Tacho stehen. Ein gelungener Abschluss! Getrübt wird die Stimmung dadurch, dass Lina einen Unfall auf der Piste hatte und mit Verdacht auf eine Knieverletzung vorsorglich in der Notaufnahme sitzt. Doch am Abend gibt es Entwarnung, da keine Anzeichen auf einen Kreuzbandriss oder ähnliches gefunden wurden. So können wir die Woche entspannt ohne größere Verletzungen ausklingen lassen.

 

Samstag, 03.01.2026: Heimfahrt

Viel zu schnell sind 8 Tage vorübergegangen. Nach dem Zusammenpacken und einer kurzen Feedbackrunde kehren wir um kurz nach 12 Flattach wieder den Rücken zu. Es war mal wieder eine sehr schöne Zeit und wir haben versucht trotz des fehlenden Schnees das Beste aus unserer „Skifahr“ Woche zu machen. Werden wir wiederkommen? Wir wissen es nicht. Die klimatischen Veränderungen legen den Verdacht nahe, dass auch in Zukunft die Schneelage problematisch werden könnte und deshalb ein Standort im Westen der Alpen oder ein nordseitiger Standort für den Frühwinter besser geeignet sein könnte. Mehr Aktivitäten in einem ähnlich großen Radius werden wir woanders wahrscheinlich auch nicht finden, weshalb die Entscheidung offenbleibt, zumal wir auch ohne Schnee genügend Alternative machen können.

 

Zum Schluss dieses Berichts möchte ich mich als langjähriger Jugendleiter noch für die Übungsleiterpauschale einsetzen. Um Wintersportwochen, wie die in diesem Bericht beschriebene, mit den Disziplinen Sportklettern, Alpinklettern, Eisklettern, Skitouren und Alpinskifahren zu ermöglichen, wird pro Person Ausrüstung im Wert von mehreren tausend Euros benötigt. Beispielswiese kostet allein ein Satz Mobile Sicherungsmittel (Friends BD 0,3-3, Klemmkeile, 5 Messerhaken) 600 Euro, 10 Eisschrauben und 2 Eisgeräte 900Euro usw.. Dabei handelt es sich um Verbrauchsmaterial bzw. im Zweifelsfall Opfermaterial, welches sich Abnutzt, da beispielsweise Klingen von Eisgeräten mit der Zeit stumpf werden und ab einem gewissen Punkt für bessere Performance ersetzt werden müssen. Aufgrund der Tatsache, dass nicht jeder Teilnehmer die Ausrüstung im Keller liegen hat und es von der Sektion aus keinen Ausrüstungsverleih mehr gibt, müssen wir als Jugendleiter aus privater Hand regelmäßig Ausrüstung verleihen. Die Übungsleiterpauschale hilft, die dabei entstehenden Unkosten zu decken und damit auch in Zukunft Touren wie diese zu ermöglichen.

Wir freuen uns auf die neunte Ausgabe der Skifahr Woche im zehnten Jubiläumsjahr 2026/27!

Die JUMA

 

Teilnehmer: Fabi, Filip, Marit, Lina, Steffi, Vicki, Kilian, Niklas, Simon, Eric

Leitung: Christoph, Benedikt

Bericht: Benedikt