Eisklettern Karwendel | © Benedikt Rauh

Eisklettern Karwendel 2026

Im bayrischen Gefrierschrank

19.01.2026

Samstag, 17.01.2026: Die linke Hand des Teufels, 7Sl., WI5

Nachdem Bene, Gigi und Simon am Freitagnachmittag ihre bürgerlichen Pflichten wie Uni-Versuche und Arbeit erledigen, brechen die drei gegen 17:00 Uhr auf, um mich in München aufzugabeln. Nach weiteren 60 km kommen wir in Benediktbeuern an und erledigen das übliche Abendprogramm (Wohnung einheizen, Nudeln essen und Rucksäcke packen). Da an diesem Wochenende – nachdem wir beim jährlichen „Schifoan“ über Silvester das Eisklettern für uns entdecken – eben diese Disziplin auf dem Programm steht, kommt dieses Mal zudem ein wild fluchendes Herumschrauben an den Steigeisen zum Abendprogramm hinzu, sodass wir alle gegen Mitternacht ins Bett fallen.

„Der müde Joe ist zwar ein geschickter Revolverheld und Kartenspieler, geht aller Art von Arbeit jedoch lieber aus dem Weg“… da bei diesem Satz, welcher gleichzeitig der Beginn der Titelbeschreibung des Bud-Spencer-Films „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ ist, fast alle Attribute auf uns zutreffen, wollen wir an diesem Tag die gleichnamige Tour „Die linke Hand des Teufels“ (WI 5, 7 SL) südlich des Sylvensteinspeichers in Angriff nehmen. Nachdem wir feststellen, dass wir beim Sharan das nächste Mal einen Schneepflug für die nicht geräumten Parkbuchten auf der Straße in Richtung Hinterriss benötigen, parken wir ein ganzes Stück vom eigentlich gedachten Parkplatz weg – und unser Fußweg durch die verschneite Winterlandschaft verlängert sich um ca. eine halbe Stunde.

Nach dem nicht ganz unanstrengenden Zustieg befinden sich zu unserem Erstaunen bereits drei Seilschaften am Einstieg bzw. in der Tour. Jedoch hält sich die Wartezeit für uns aufgrund unserer taktischen Verzögerung durch die Parkplatzsuche davor in Grenzen, und so starten wir kurze Zeit später mit der ersten Seillänge. Einzelne kurze Gehpassagen wechseln sich immer wieder mit tollen Eisfällen, Stufen und Vorhängen ab. Besonders die Eissäule – und zugleich Schlüsselstelle in der 5. SL – ist nicht nur klettertechnisch, sondern auch landschaftlich ein Highlight. Gerne würden wir hier auch noch die rechte Variante („die rechte Hand des Teufels“) klettern.

Nachdem wir uns nach kurzer Diskussion dafür entscheiden, auf das in der Tourenbeschreibung geschilderte „Eisscrambln“ nach der letzten Seillänge zu verzichten, wählen wir den Abstieg über den Wanderweg und kommen gegen 16:30 Uhr wieder wohlbehalten am Auto an. Fazit: eine tolle und abwechslungsreiche Tour, die großen Spaß macht.

Nach einem kurzen Einkauf in Benediktbeuern wird der erfolgreiche Tag mit Kässpatzen und einem warmen Kachelofen besiegelt, wobei der ein oder andere vor Müdigkeit sogar auf dem Teppichboden oder der Eckbank einschläft.

Sonntag, 18.01.2026: Jochberg Rechtes Gully, 250m, WI3 + Latschen grubbern

Da es heute leider schon wieder nach Hause geht, stehen wir bereits um 6.00 Uhr auf. Der Plan: spätestens um 17.00 Uhr von Benediktbeuern losfahren, um ausnahmsweise einmal früher zuhause zu sein. Doch es kommt – wie so oft – alles anders als geplant …

Nach dem Frühstück und dem morgendlichen „Rumräumen“ machen wir uns gegen 7.30 Uhr auf den Weg in Richtung Kochelsee. Nach etwa 15 Minuten Fahrt erreichen wir den noch wenig besuchten Parkplatz. Von dort folgen wir – wie im Topo beschrieben – einem ausgetrockneten Bachbett, das uns zur Nordwand des beliebten Jochbergs führt.

Nach kurzer Überlegung entscheiden wir uns für den ersten Wasserfall, den wir sehen, da das Eis einen sehr guten Eindruck macht. Um zum Eisfall zu gelangen, kraxeln wir noch ein paar Höhenmeter den Hang hinauf, bevor wir den ersten gebohrten Abseilstand erreichen. Um 9.00 Uhr beginnt die Eiskletterei. Wir steigen mehrere kürzere und längere Eisfälle hinauf. Die Eisqualität ist exzellent, die Schwierigkeit mit WI 3 überschaubar – ideales Gelände, um entspannt voranzukommen. Zwischendurch testen wir alte Eishaken von Bene und Gigis Opa, die erstaunlich gut halten (allerdings muss man sie dafür etwa zehn Minuten lang ins Eis schlagen). Nachdem der rostige Haken wieder ordnungsgemäß entfernt ist, geht es über einen weiteren längeren Eisfall nach oben. Schließlich stehen wir jedoch vor einer vollkommen trockenen Rinne. Links davon erkennen wir Trittspuren im Hang, und so entscheiden wir uns gegen 12.00 Uhr, die eigentliche Tour zu verlassen.

Nach wenigen Metern treffen wir auf eine Seilschaft, die gerade abseilt. Da wir weiterhin Stände vorfinden, entschließen wir uns gegen eine Umkehr und dafür, durch relativ steiles Gelände auf den Grat zu gelangen. Diese Entscheidung markiert den Beginn einer vierstündigen Kraxelei durch Latschen und brüchigen Fels, die uns sowohl physisch als auch psychisch fordert. Nach einer gefühlten Ewigkeit wird das Gelände endlich flacher. Wir packen das Seil ein und stapfen die letzten Meter hinauf zum lang ersehnten Wanderweg am Grat. Dort deponieren wir unsere Rucksäcke, um uns nach den Strapazen doch noch mit der Aussicht vom Gipfel zu belohnen. Um 16.15 Uhr stehen wir schließlich auf dem Gipfel des Jochbergs – gemeinsam mit einigen Wanderern, die offensichtlich einen deutlich einfacheren Weg gewählt haben.

Beim Abstieg ist nochmals Konzentration gefragt, da der Wanderweg teilweise komplett vereist ist. Der ein oder andere macht dabei Bekanntschaft mit dem Boden, glücklicherweise ohne Verletzungen. Gegen 17.00 Uhr erreichen wir schließlich das Auto, das Gigi netterweise bereits vom Parkplatz geholt hat. Etwa 20 Minuten später sind wir wieder in Benediktbeuern, wo noch Aufräumen und Putzen anstehen. Nach einer wohlverdienten Dusche gibt es endlich Abendessen – tagsüber hatten wir uns lediglich von Müsliriegeln ernährt. Um 20.00 Uhr geht es schließlich mit rund drei Stunden Verspätung in Richtung München, wo wir noch einen kurzen Zwischenstopp in Filips Wohnung einlegen. Um 23.15 Uhr kommen wir schließlich in Schwabach an. Unser ursprünglicher Plan, einmal früh zuhause zu sein, ist damit endgültig gescheitert.

Teilnehmer: Filip, Simon, Gigi, Bene

Berichte: Filip, Simon