© DAV Schwabach Ortsgruppe Schwanstetten

22. bis 29.07.2022 Mehrtagesbergwoche in Ruhpolding (Chiemgau)

Keine offiziell ausgeschriebene DAV-Tour

29.07.2022

Freitag 22.07. (Anreise, mit den „Öffis“ in die Berge)

Altenfelden Bahnsteig 09.17, soeben ist der zweite Teil der ehemaligen Ü70/75 der Ortsgruppe Schwanstetten in den Regionalexpress nach Ingolstadt zugestiegen und die Mannschaft war somit komplett. Ehemalig deshalb, denn im Zuge der fortschreitenden Evolution musste eine neue Leistungsklasse eröffnet werden und startet jetzt unter der Bezeichnung Ü70/75/80.

Auf Grund des 9.- € Tickets war der Zug auch entsprechend voll, wir konnten uns erst an unserem Umsteigebahnhof an dem wir in den Zug nach München stiegen so richtig begrüßen. Jetzt ging es richtig los, Platz fanden wir im großen Abteil der für Fahrräder, Kinderwagen und sonstiges gedacht ist inmitten einer Gruppe jüngerer Männer, die auch schon vorgeglüht waren im Rahmen eines Abteilungsausfluges.

Ausgerüstet mit der entsprechenden Trinkausrüstung und Bluetooth Box sorgten sie für die richtige Stimmung. Obwohl sie deutlich jünger waren wie wir, hatten sie ein Repertoire drauf, angefangen von Roger Whittaker, Rex Gildo (hossa, hossa), Freddy Quinn (Heimatlos), die Böhmerwald Musikanten, Kastelruther Spatzen (weiße Rose) und auch die bewusst bekannt gemachte Layla, die inzwischen Alle kennen. Es steppte der Bär, leider war die Tanzfläche mit Koffern belegt. Noch nie haben wir so eine Bahnfahrt erlebt und das Alles für 9.- € nach dem Motto das Leben in vollen Zügen genießen.

Den nächsten Auftritt hatten wir im Zug nach Traunstein mit einer Schar von jungen Gänsen die einen „Junggesellinnen – Abschied“ feierten. Es war nicht schön, dafür aber sehr laut. So erreichten wir Traunstein, mussten aber wegen unserer Verspätung auf den nächsten Anschlusszug warten. Dafür hatten wir in Ruhpolding noch etwas Zeit für Kaffee, Kuchen oder einen Eiskaffee bis uns der Bus zu unserem Quartier dem Labenbachhof oberhalb von Ruhpolding brachte.

Nach dem Einchecken, Einrichten und etwas Chillen ging es in den Speiseraum um uns das erste Essen schmecken zu lassen. Es gab Rindergulasch, Blaukraut und Kartoffelglöße. Als abendfüllendes Programm hatten wir ein interessantes Thema: Warum sind in der Neuzeit alle traumatisiert und wir waren es nicht? (vielleicht wussten wir es nicht

Fazit: Hodd ned a jedä vo uns a weng an glann baddschä.

Samstag 23.07. (Weißbachschlucht)

Beim Frühstück geht es auch schon hoch her, es ist eine Schulklasse anwesend und die Lehrkräfte gaben sich alle Mühe um die wilde Bande im Zaum zu halten.

Unser heutiges Ziel zur Akklimatisation ist die Weißbachschlucht unterhalb der Alpenstraße die nach Bad Reichenhall führt. Wartend stehen wir an der Bushaltestelle nach Inzell, bis wir darauf kommen, dass heute Samstag ist und ein anderer Fahrplan gilt, also noch einmal zurück.

Mit dem richtigen Bus erreichen wir Inzell, haben auch gleich Anschluss für den Bus zum Mauthäusl unserem Ausgangspunkt. Leicht absteigend erreichen wir den Einstieg in die spektakuläre Schlucht in der sich der tosende Weißbach seit Jahrtausenden eingefressen hat. Über kühn angelegte Brücken, gesicherten Passagen und ausgehauenen Stufen geht der Weg abwärts und bietet immer wieder neue imposante Eindrücke. Nach einer kurzen Brotzeit beschließen wir, dass wir den gleichen Weg wieder nach oben steigen, denn es zeigen sich auch hier wieder ganz andere Perspektiven. Das Mauthäusl bietet sich noch für eine Einkehr an, dann steigen wir in den Bus Richtung Inzell. Nachdem wir gut in der Zeit liegen beschließen wir noch die Falkensteinumrundung, die uns auch zum idyllisch gelegenen Falkensee führt. Leider kamen wir jedoch für eine meditierende Gruppe, die mit verklärten Gesichtern und ausgebreiteten Handflächen am Ufer saßen zur unrechten Zeit, fühlten sie sich doch durch unser Auftreten etwas gestört. (aus wors mid dä Ruh)

Auf angenehm schattigen Wegen erreichen wir Inzell, erfahren dass der Club gewonnen hat und kommen wieder mit dem Bus in unser Quartier.

Helle Kleidung heute zum Abendessen war ein sehr großer Nachteil, denn es gab Spaghetti Bolognese und anschließend haben wir uns noch den Kopf zerbrochen wer dir besten Bürgermeister in der Gemeinde waren. (die an song so und die andän so)

Sonntag 24.07. (Dürrfeldkreuz und Röthelmoosalm)

Das 9,- € Ticket hat uns eine sehr große Reichweite beschert, deshalb fahren wir heute mit dem Bus nach Seegatterl, kurz vor Reit im Winkl. Auf dem Plan steht das Dürrfeldkreuz, die Umrundung vom Weitsee, Aufstieg zur Röthelmoosalm mit Übergang nach Urschlau.

Obwohl der Weg zum Dürrfeldkreuz mit einer ziemlichen Steigung verbunden ist, kamen uns trotzdem sehr viele Radler entgegen, aber der Blick auf das Tretlager gab uns zu verstehen, warum sie aufrecht saßen und lächelten.

Es war Sonntag und es war sehr heiß, deshalb lagen auch sehr viele Badegäste am Strand vom Weitsee, wir aber suchten ohne Neid den Einstieg in das Wappbachtal das zur Röthelmoosalm führt. In mäßiger Steigung, erfrischend schattig geht es am Wappbach entlang, deshalb auch wieder Radfahrer, bis wir zur Langerbaueralm die einladend im Gebiet der Röthelmoosalm liegt kommen. Seit der Pandemie gibt es überall nur noch freundliche Selbstbedienungen, aber die Halbe haben wir trotzdem mit Genuss getrunken. Weiter geht es am Röthelmoosbach und der Urschlauer Ache entlang im Abstieg nach Urschlau zur Bushaltestelle. Leider waren wir zeitlich zu spät dran, wir müssen eine Fleißaufgabe absolvieren und weiter bis Brand wandern. Nachdem auf Grund des schönen Wetters auch die „Windbeutelgräfin“ total überfüllt war, tranken wir unser Tagesabschlussbier auf unserer Hausterrasse und rüsteten uns für gefüllte Teigtaschen mit Spinat an Kartoffeln. Ein Streitthema gab es für heute nicht.

Montag 25.07. (Auf dem Schmugglerweg zum Staubfall)

Unser heutiger Ausgangspunkt ist das Holzfällermuseum in der Laubau. Auf halbschattigen Weg geht es immer leicht ansteigend durch das Fischbachtal, deshalb sind auch hier wieder einige Radler unterwegs. Am Talschluss führt uns ein gut angelegter und teilweise seilversicherter Steig hoch zum Staubfall. Zuvor müssen wir noch die Staatsgrenze überschreiten (Ausweise brauchten wir nicht), dann zeigte sich der Staubfall in seiner ganzen Schönheit, wie er sich zweihundert Meter in ein wildromantisches Tal hinunterstürzt. Auf herausgeschlagenen Stufen kann man hinter den tosenden Wassermassen in das weiterführende Heutal gelangen.

Nach einer ausgiebigen Rast, beginnt der Abstieg. Durch das Fischbachtal geht es wieder talauswärts, zweigen aber am Ende Richtung Biathlonstation ab um dort in der Plenkhütte den schönen Tag ausklingen zu lassen.

Es war eine lange Wanderung heute, deshalb zischte auf der Terrasse vom Labenbachhof noch eine Halbe rein bis wir uns Alle wieder zu den angekündigten Putensteaks an Reis trafen.

Tagesthema heute: immer diese Radfahrer.

Dienstag 26.07. (Nach Reit im Winkl zum Wetterkreuz)

Eigentlich war für den heutigen Tag der Rauschberg geplant. Trotz mehrmaliger Nachfrage wurde uns immer wieder bestätigt, dass die Seilbahn wegen Reparaturarbeiten geschlossen ist.

Also steigen wir in den nächsten Bus der uns nach Reit im Winkl bringt. Auf gut markierten Weg geht es steil bergan bis zu Eckkapelle. Bei der verschlossenen privaten Liebeberghütte gibt es unsere mitgebrachte Zwischenverpflegung. Auf einem verwurzelten abschüssigen Pfad erreichen wir das Wetterkreuz und genießen einen wunderschönen Talblick. Allerdings fängt es etwas zum Tröpfeln an, es wurde aber nichts Ernstes daraus. Am weiteren Abstieg über die Glapfalm erleben wir eine schöne Überraschung. Kein Mensch anwesend, aber der Brunnen vollgefüllt mit Getränken aller Art, sogar Gläser sind vorhanden. Der Senner glaubt wahrscheinlich noch an das Gute in den Menschen, hoffentlich wird er nicht enttäuscht. Nicht einmal eine Preisliste war vorhanden, entsprechend angemessen steckten wir unseren Obolus in das bereitgestellte Einmachglas. So freudig überrascht marschieren wir weiter ins Tal zu unserer Bushaltestelle nach Ruhpolding.

Als freundliche Selbstbedienung durften wir uns heute Fleischklößchen mit Tomatensoße an „Stampfer“ servieren.

Thema am Tisch, woher stammt der Koch und ist der „Stampfer“ aus an Bäggla.

Mittwoch 27.07. (Winkelmoosalm mit Scheibelberg)

Zum zweiten Mal in dieser Woche Ausstieg am Parkplatz Seegatterl. Ein weiterer Anschlussbus bringt uns hoch auf die Winkelmoosalm. Unser Ziel ist heute der Scheibelberg (1465m) den wir über den Moorweg erreichen wollen. Der Moorweg, ein mit Holzplanken ausgelegter Steig führt durch ein Hochmoor und erinnert etwas an den Reitsteig am Untersberg, nur nicht so steil und so viele Stufen. Nach einer kurzen Trinkpause erreichen wir das Gipfelkreuz das genau am Dreiländereck Salzburg – Bayern – Tirol steht. Unsere Rundtour führt uns im Abstieg über die Möseralm die uns sehr gut bewirtschaftet zu einer Einkehr animiert. So kulinarisch befriedigt geht es wieder Richtung Winkelmoosalm.

In Ruhpolding haben wir noch Zeit um in Schuhbeck’s Brot und Kaffeehaus einzukehren, denn das gehört auch zu einem Pflichtprogramm, zu empfehlen ist auch der Besuch der Toilette.

Zu unserer Überraschung ist heute ein Buffett im Freien aufgebaut, es gab Gegrilltes, leider kamen wir etwas zu spät, die Nürnberger „Bradwöschdla“ waren schon in diversen Mägen gelandet.

Zum Abschluss hat auch noch unsere Damennationalmannschaft gegen Frankreich gewonnen, es war also wieder ein schöner ausgefüllter erfolgreicher Tag.

Donnerstag 28.07. (Die Königsetappe auf den Hochfelln)

Den Hochfelln mit 1674m wollen wir heute von der Steinbergalm aus angreifen. Auf gut begehbarem Waldweg geht es erst mal zu Bründlingsalm mit der ersten Trinkpause. Es war nicht das Schweißtuch der Veronika, sondern das Schweißtuch der Elfi das wir gerade noch samt daran hängenden Rucksack aus dem Maul einer salzgierigen Kuh zogen. Anschließend machte sie sich an der Polsterung von Radhelmen zu schaffen.

Ab hier wird es ernst, im ständigen Aufstieg geht es über mehrere Serpentinen bergan. An einer markanten Scharte, die die schlafende Jungfrau vom Gipfelaufbau trennt wird die Seite vom Berg gewechselt. Das gesamte Gipfelplateau liegt jetzt vor uns, muss aber noch erkämpft werden. Noch ein paar Schritte nach einem anstrengenden Anstieg, dann gehört der Gipfel uns. Wir stehen unter einem der größten Gipfelkreuze in den Bayrischen Bergen, natürlich darf das obligatorische Gipfelfoto nicht fehlen. Das Kreuz wurde drunten im Tal in Bergen in der Maximilianshütte angefertigt, ist sieben Meter hoch und wurde Ende des 19ten Jahrhunderts hier oben aufgestellt.

Jetzt liegt noch ein sehr langer Abstieg nach Ruhpolding vor uns. Leider erwischen wir einen Pfad, der stellenweise mit einer grasüberwucherten Abbruchkante versehen ist und sehr konzentriertes Gehen erfordert. Etwas abgespannt erreichen wir Ruhpolding, es reicht noch für ein Bier, dann steigen wir wieder in unsere vertraute Buslinie.

Das Abendessen, wieder in Form von einem Buffett im Freien war schon im vollen Gange, das heißt man kann auch ohne Duschen essen, wenn man nur will. Was wir nicht wussten, dass es sich um eine geschlossene Gesellschaft handelte und unsere Anwesenheit wurde etwas mit feindseligen Blicken begleitet. Konnte aber nach einem klärenden Gespräch mit dem Organisator bereinigt werden. Die Küche hat uns bei diesem Essen mit eingeplant. Sie hatten Angst wir trinken ihnen das Bier weg, es war eine Verabschiedung von einem Schulleiter. Unsere Verabschiedung von einer schönen Woche begann dann im Aufenthaltsraum.

Freitag 29.07. (Heimreise nach dem Motto, das Leben in vollen Zügen genießen)

Wieder stehen wir an unserer vertrauten Bushaltestelle, diesmal aber mit gepackten Koffern, denn die Heimreise steht bevor. Über Traunstein erreichen wir dichtgedrängt im Abteil München wo noch größeres Chaos herrschte. Jeder versuchte irgendwo einen Platz zu ergattern, ab Ingolstadt wurde es etwas besser. In Altenfelden verabschiedeten wir uns von den Aborigines aus Schwanstetten. Schließlich gab es noch eine Weichenstörung kurz vor Nürnberg und so kamen wir mit ziemlicher Verspätung nach Hause.

Resümee: Trotz aller Unannehmlichkeiten bei der An - und Abreise, hatten wir wieder eine wunderschöne Woche in den Bergen. Die ausgewählten Touren waren für Alle machbar, es gab keine Schwachstellen. In unser Tourenbuch können wir 69 km und 4512 hm im Auf – und Abstieg einschreiben. Die Gruppe war sehr ausgeglichen, die Frauenquote wurde voll erfüllt und lag heuer bei fünfzig Prozent. Das Quartier war eine sehr gute Empfehlung, für Gruppen wie wir bestens geeignet, nur schade, dass es die Chiemgaukarte nicht gibt. Zum Glück gab es das 9.- € Ticket, das hat uns eine Menge Geld eingespart. Vielen Dank liebe Bundesregierung, vielen Dank lieber Steuerzahler. Noch einen großen Dank an unseren Organisator Werner, der doch wieder einige Stunden opfern musste. Wohin es im nächsten Jahr geht, ist noch ein Geheimnis. Wir hatten wieder viel Spaß und was am wichtigsten ist, es ist keiner traumatisiert.

Jürgen Burgis

„Wenn du schnell gehen willst, geh allein.
Wenn du weit gehen willst, geh zusammen mit anderen.“

(Afrikanisches Sprichwort)